Absturz der „V1“ in den Rehbergen

v2An Kurtscheid vorbeifliegend wurde sie als sich drehender Feuerballgesehen.
Durch den Einschlagknall waren noch einige Fensterscheiben in unserem Dorf zerborsten. Im Umfeld der Einschlagstelle lagen die Bäume entwurzelt umher, die in den folgenden Jahren zu Brennholz aufgearbeitet wurden. Auch war das Gelände übersäht mit einer Unmenge kleiner Aluminiumsplitter.

Die V1 (Vergeltungswaffe 1, offiziell Fieseler Fi 103) war der erste unbemannte MarschflugkörperimKriegseinsatz. Sie wurde von Juni 1944 bis März 1945 in großer Zahl vor allem gegen die Städte Londonund Antwerpen eingesetzt. Entwickelt wurde die V1 von Robert Lusser vom Flugzeughersteller Fieseler und von Fritz Gosslau vom Motorenhersteller Argus. Der erste Test war 1942 in Peenemünde.
Ihr Verpuffungsstrahltriebwerk war viel einfacher als ein Turbojet-Triebwerk, jedoch mit geringerer Lebensdauer.Die ersten V1 starteten von Katapulten. Später wurde sie auch von Flugzeugen abgesetzt. Die Kurtscheid nächstgelegenen Abschussrampen waren in Bruchhausen und Rheinbreitbach sowie im Bergischen Ruppichteroth und Oberbergischen Drabenderhöhe.

v2-planDie Produktion der Einzelteile fand in mehr als 50 Firmen statt. Seit Sommer 1944 wurde die V1 auch in den unterirdischen Werksanlagen des Konzentrationslagers Dora bei Nordhausen in Thüringen montiert.Die Herstellungskosten betrugen 3500 Reichsmark und etwa 280 Arbeitsstunden.

Der Einsatz der V1 war kein taktischer Erfolg. Zu keinemZeitpunkt konnte die V1 die Kriegswirtschaft in England schwächen. Strategisch war sie erfolgreicher. Die alliierte Führung fürchtete eine Schwächung der Kriegsmoral, so dass bei der Abwehr auf alliierterSeite wesentlich mehr Personal und Rohstoffe eingesetztwurden als bei der vergleichsweise billigenHerstellung auf deutsche  Seite.Durch den Einsatz der V1 gegen London starben 6.184 Zivilisten, 17.981 wurden schwer verletzt.In Antwerpen und Umgebung wurden 10.145 Menschen verwundetoder getötet; außerdem  waren weitere 4.614 Opfer (größtenteils in Lüttich) zu beklagen.

Auch bei der Produktion, diezum Teil von KZ-Häftlingen unterextrem schlechtenLebensbedingungenausgeführt werdenmusste, kamen viele Menschenums Leben.

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