Die verschwundene Nonne im Fockenbachtal

Jahrhunderte vorher soll sich dort ein Zisterzienzer-Nonnenkloster befunden haben, das später bei der Pflege der Pestkranken ausstarb.
Heute noch heißt im Volksmund jene Gegend das „Juffer Catharine Tälchen".
Nach einer sagengeschichtlichen Erzählung sollen sich dort dereinst böse Dinge ereignet haben. Es verliebte sich der junge Ritter Heino von der Burg Ölbruck (Kreis Ahrweiler) auf einem Turnier auf der Burg Altwied in Elfriede, das Töchterlein des Ritters Konrad von der Neuerburg, die ihm einen dankbaren Blick zugeworfen hatte, da er ihren alten Vater vor Unehre bewahrt hatte.
Wie es stets ihr Jugendtraum gewesen war, trat sie bald darauf als Nonne im Kloster bei der Glashütte ein, wo ihre Tante Jutta Vorsteherin war.
Als Ritter Heino sie auf der Neuerburg besuchen wollte, war er schwer enttäuscht, sie nicht mehr zu finden. Er fühlte sich betrogen und brütete Rache. Er entführte die Nonne, nicht ganz ohne ihre Schuld, nächtlicherweise aus dem Kloster.
Daß Heino und Elfriede ihm diese Schande antaten, konnte ihnen Ritter Konrad nicht verzeihen. Als sie eines Tages auf der Neuerburg erschienen, um sich mit ihm auszusöhnen, verfluchte er sie und jagte sie mit seinen Hunden von der Burg.

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Seitdem lastete des Vaters Fluch auf Elfriede und ist sie die „verschwundene Nonne" geworden, die in den Schluchten des Fockenbachtales umgehen und ihren Leichtsinn büßen mußte.
Manchen ist sie noch in späteren Jahren begegnet, wofür einige Beispiele.
Als im Jahre 1886 unser alter Lehrer Kern im Sterben lag, gingen die älteren Schulkinder für ihn nach Verscheid beten. An dem Bittgang beteiligte sich ein eben aus der Schule entlassener Junge aus dem Oberdorf, der bei dieser Gelegenheit Geschäfte im nahen Hochscheid besorgen wollte, so daß er sich auf dem Heimweg verspätete.
Er konnte die anderen Kinder nicht mehr einholen, wie schnell er auch den Abhang hinunterlief. Als er den Fokkenbach überschritten hatte, sah er dort auf der Wiese „die Juffer" tanzen. Sie kam auf ihn zu, sie tanzte mit ihm über Klippen und Felsen den Berg hinauf. Aufgeregt und wie von Sinnen kam er in der Mittagshitze heim und sah immer wieder im Fieberwahn „die Nonne".
Als etwa ums Jahr 1900 ein damals neunjähriges Mädchen von der F.-Mühle mit seinen Eltern nach Kurtscheid zum Gottesdienst ging, sah es, auf der Höhe des Dumplatzes angekommen, plötzlich eine Nonne, ihre Angehörigen jedoch sahen nichts.
Das Kind hat den traurigen Blick der Nonne niemals vergessen und von da ab alle ihre guten Werke für sie aufgeopfert. Ihr bald zum Priester geweihter Bruder las eine heilige Messe für die Armen Seelen. Seitdem ließ sich die verschwundene Nonne nicht mehr blicken, man nimmt an. daß sie erlöst ist.

Quelle: Sagen des Westerwaldes, Herausgeber Westerwald Verein e.V.


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